EU-Bericht analysiert Studienlage: Gesundheitliche Auswirkungen von 5G

Aktueller Kenntnisstand über die karzinogenen und reproduktiven Entwicklungsrisiken

Das Science and Technology Options Assessment Komitee (STOA) des Europäischen Parlaments veröffentlichte im Juni 2021 die Studie “Gesundheitliche Auswirkungen von 5G. Aktueller Kenntnisstand über die mit 5G verbundenen karzinogenen und reproduktiven Entwicklungsrisiken, wie sie sich aus epidemiologischen Studien und experimentellen In-vivo-Studien ergeben”. Das STOA-Komitee ist ein Ausschuss des Europaparlamentes, der sich mit Wissenschaft und Technikfolgenabschätzung befasst.

von diagnose-funk vom 20.01.2022 | www.diangose-funk.ch 

Diagnose:funk veröffentlicht eine Zusammenfassung der STOA-Studie in einem Brennpunkt und die komplette Übersetzung der bisher weltweit wohl umfangreichsten Auswertung des Forschungsstandes zu den Auswirkungen der bisher angewandten Mobilfunkfrequenzen (GSM, UMTS, LTE) und zur neuen 5G-Technologie zu den Endpunkten Krebs und Fertilität. Die Studie wurde im Auftrag der STOA erarbeitet, das kompetente Autorenteam setzt sich aus Wissenschaftlern des Ramazzini-Institutes (Italien) zusammen, das führend auf diesem Gebiet ist. Studienleiterin war Fiorella Belpoggi. Die Studienlage zu diesen zwei Endpunkten mit scheinbar widersprüchlichen Studienergebnissen wird transparent aus­gewertet und geklärt, wie unhaltbar Behauptungen sind, von diesen Technologien würden keine Gesundheitsgefahren ausgehen.

  • Originalstudie in deutscher Übersetzung, 198 Seiten, A4, Klebebindung, kann kostenlos heruntergeladen werden und ist in der Druckversion erhältlich im >>> diagnose:funk Online-Shop.
  • Der zusammenfassende Brennpunkt steht am Ende des Artikel zur Bestellung und zum Download.

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Die Ergebnisse des STOA-Berichtes lassen sich wie folgt zusammenfassen:

  • In der Zusammenschau der Ergebnisse aus der Epidemiologie, in-vivo und in-vitro Studien liegen Nach­­weise aus Tierversuchen für ein krebs­aus­lö­sen­­des Potenzial v.a. der bisher angewandten Mobil­funk-Frequenzbereiche von GSM, UMTS und LTE (FR1: 700 bis 3.800 MHz) vor, ebenso zu negativen Auswirkungen auf die Fruchtbarkeit.
  • Zu 5G im höheren Frequenzbereich (FR2: 24,25 bis 52,6 GHz) liegen keine angemessenen Studien vor. Deswegen bezeichnet die Studie 5G als ein Experiment an der Bevölkerung.
  • Bei der Beurteilung müssen die nicht-thermischen Auswirkungen berücksichtig werden, was bisher nicht gemacht wurde. Dafür wird die ICNIRP (International Commission on Non-Ionizing Radiation Protection) direkt kritisiert. Die Referenzwerte ihrer Richtlinien schützen nur vor thermischen Wirkungen.
  • Die Autoren der Studie fordern einen 5G-Ausbaustopp (für 5G im höheren Frequenzbereich, FR2: 24,25 bis 52,6 GHz), weitere Forschung über die hohen 5G-Frequenzen FR2, Aufklärung der Bevölkerung und den Schwerpunkt auf den Ausbau von Glasfasernetzen.

Das ist ein zweierlei Hinsicht bedeutend:
Die Wahrscheinlichkeit, dass die Strahlung der bisher angewandten Frequenzen (FR1: 450 bis 6000 MHz) Krebs auslösend ist, die Fruchtbarkeit und insbesondere vulnerable Organismen schädigt, so der STOA-Bericht, wird durch neueste Forschungsergebnisse bestätigt.
Wer behauptet, 5G (FR2: 24 bis 100 GHz) sei unbedenklich, gibt Nichtwissen als Wissen aus.

Der Bericht schlägt deshalb als Konsequenzen vor:

  • “7.1 Entscheidung für eine neue Technologie für Mobiltelefone, die eine Verringerung der HF-Belastung ermöglicht …
  • 7.2 Überarbeitung der Expositionsgrenzwerte für die Öffentlichkeit und die Umwelt, um die HF-Exposition durch Mobilfunkmasten zu verringern …
  • 7.3 Verabschiedung von Maßnahmen, die Anreize zur Verringerung der HF-EMF-Exposition schaffen …
  • 7.4 Förderung multidisziplinärer wissenschaftlicher Forschung, um die langfristigen gesundheitlichen Auswirkungen von 5G zu bewerten und eine geeignete Methode zur Überwachung der Exposition gegenüber 5G zu finden …
  • 7.5 Förderung von Informationskampagnen über 5G.” (S. 152 ff)

Diesem STOA-Bericht gingen bereits zwei Untersuchungsberichte wissenschaftlicher Dienste des Europäischen Parlaments zu Gesundheit und 5G voraus, die in der Diskussion in Deutschland bisher nicht beachtet wurden.

Blackman C., Forge S. (2019): 5G Deployment: State of Play in Europe, USA and Asia.

In dieser Studie für das EU-Parlament werden Bedenken hinsichtlich der möglichen Auswirkungen auf die Gesundheit und Sicherheit geäußert, die sich aus einer potenziell höheren Belastung durch hochfrequente elektromagnetische Strahlung durch 5G ergeben könnten. Eine erhöhte Exposition kann sich nicht nur aus der Verwendung wesentlich höherer Frequenzen bei 5G ergeben (FR2: 24,25 bis 52,6 GHz), sondern auch aus dem Potenzial der Bündelung verschiedener Signale, ihrer Dynamik und den komplexen Interferenzeffekten, die insbesondere in dichten Stadtgebieten auftreten können. In der Studie heißt es:

  • Es gibt erhebliche Bedenken hinsichtlich der möglichen Auswirkungen auf die Gesundheit und Sicherheit, die sich aus einer potenziell viel höheren Belastung durch hochfrequente elektromagnetische Strahlung durch 5G ergeben könnten … Die 5G-Funkemissionsfelder unterscheiden sich deutlich von denen früherer Generationen durch ihre komplexen strahlförmigen Übertragungen (Beamforming, df) von der Basisstation über das Mobilteil und zurück. Obwohl die Felder der Strahlen stark fokussiert werden, variieren sie schnell mit Zeit und Bewegung und sind daher unvorhersehbar, da die Signalpegel und -muster als geschlossenes System interagieren. Dies muss noch zuverlässig für reale Situationen außerhalb des Labors abgebildet werden.” (S.11/12).

Karaboytcheva M. (2020): Effects of 5G wireless communication on human health

Mit einem Briefing weist der wissenschaftliche Dienst des Europäischen Parlaments die Abgeordneten auf die Risiken der 5G-Mobilfunktechnologie hin. Der eindeutige Tenor: Aufgrund des Forschungsstandes darf 5G nicht eingeführt werden. Im Briefing werden all die Beschlüsse von EU-Gremien seit 1999 aufgezählt, in denen immer wieder auf die Gesundheitsgefahren hingewiesen wird und die Regierungen aufgefordert werden, Schutzmaßnahmen zu ergreifen und VerbraucherInnen über Gesundheitsgefahren durch Mobilfunkstrahlung aufzuklären. Eine  Hauptaussage zu Gesundheitsgefahren durch 5G im Briefing lautet:

  • „Verschiedene Studien deuten darauf hin, dass 5G die Gesundheit von Menschen, Pflanzen, Tieren, Insekten und Mikroben beeinträchtigen könnte – und da 5G eine noch nicht getestete Technologie ist, wäre ein vorsichtiger Ansatz angebracht.”

Fazit: Die Bevölkerung muss über die Risiken informiert werden, die Schutzverordnungen und Grenzwerte müssen an den Stand der Forschung angepasst und es muss eine Politik der Strahlenminimierung mit staatlichen regulatorischen Maßnahmen durchgesetzt werden.

diagnose:funk fordert Ärzteverbände und Politiker, insbesondere aus dem Gesundheitswesen, auf, sich mit diesen Dokumenten zu befassen und daraus notwendige Veränderungen in der Strahlenschutz- und Industriepolitik einzuleiten.

Die drei Analysen wissenschaftlicher Dienste des Europäischen Parlaments:

Belpoggi, F.: Health impact of 5G; Panel for the Future of Science and Technology (STOA), European Parliament (2021);[https://www.europarl.europa.eu/stoa/en/document/EPRS_STU(2021)690012]   
Auf der diagnose:funk Homepage: https://www.diagnose-funk.org/1740 und https://www.diagnose-funk.org/1789

Blackman C., Forge S. (2019): 5G Deployment: State of Play in Europe, USA, and Asia; In-Depth-Analysis, Reques­ted by the ITRE Committee; https://www.europarl.europa.eu/RegData/etudes/IDAN/2019/631060/IPOL_IDA(2019)631060_EN.pdf
Auf der diagnose:funk Homepage: https://www.diagnose-funk.org/1388

Karaboytcheva M. (2020): Effects of 5G wireless communication on human health. EPRS – European Parliamentary Research Service, Members’ Research Service PE 646.172. Englisch: https://www.europarl.europa.eu/RegData/etudes/BRIE/2020/646172/EPRS_BRI(2020)646172_EN.pdf . Deutsch: https://www.europarl.europa.eu/RegData/etudes/BRIE/2020/646172/EPRS_BRI(2020)646172_DE.pdf
Auf der diagnose:funk Homepage auf Deutsch als Brennpunkt: https://www.diagnose-funk.org/1530


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