Wieso die WHO Mobilfunkstrahlung auf „krebsfördernd“ hochstufen müsste

Die Basis für die heute geltenden Grenzwerte für nicht-ionisierende Strahlung wurde ca. vor zwanzig Jahren gelegt. Dabei wurde angenommen, dass Mobilfunkstrahlung – oder allgemeiner: hochfrequente elektromagnetische Felder HFR-EMF – für den Menschen ausschließlich eine thermische Wirkung haben.

 

Im Jahr 2001 hat die Weltgesundheitsorganisation WHO beschlossen, niederfrequente elektromagnetische Felder (ELF-EMF) als „möglicherweise krebserregend für Menschen“ einzustufen. Im Jahr 2011 hat die WHO dasselbe für hochfrequente elektromagnetische Felder (RFR-EMF) gemacht – und hält noch heute, im Jahr 2019, implizit an dieser Definition fest, indem sie Wirkungen im subthermalen Bereich nicht zur Kenntnis nimmt.

 

World Health Organization – IARC

Im WHO-Gefahrenschema entspricht eine mögliche Krebsgefährdung der Stufe 2B (vgl. Tabelle unten). Es sind jedoch zahlreiche gesundheitsschädigende Wirkungen im nicht-thermischen Bereich bekannt, wie www.bioinitiative.org zeigt.


Gruppen Beschreibung Anzahl Stoffe
Group 1 Carcinogenic to humans 120
Group 2A Probably carcinogenic to humans 82
Group 2B Possibly carcinogenic to humans 311
Group 3 Not classifiable as to its carcinogenicity to humans 499
Group 4 Probably not carcinogenic to humans 1

Tabelle WHO-Stufenschema von krebsfördernden Stoffen, sog. „agents“. Quelle: https://monographs.iarc.fr/agents-classified-by-the-iarc/

Damals fehlten die Beweise, doch heute…

Um ELF-EMF und RFR-EMF auf die Gruppe 2A oder 1 hochzuheben, also auf „wahrscheinlich krebsfördernd für Menschen“ resp. „krebsfördernd für Menschen“, fehlten der WHO seinerzeit die Beweise aus Tierstudien. Mittlerweile existieren diese Studien jedoch:

  • die vielzitierte NTP-Studie, in der über 10 Jahre an Ratten geforscht wurde und die anfangs 2018 zu einem „positiven“ Befund kam, also die Krebsgefahr unterstützt (wir haben berichtet: NTP: Mobilfunk erzeugt KrebserkrankungenNTP-Studie: aktualisierte Pressemitteilung/ und NTP-Studie: Beobachter legt nach).
  • eine andere Studie mit Ratten vom Ramazzini-Institut in Bologna, die ebenso zu einem „positiven“ Befund gekommen ist. Die Ramazzini-Studie konzentrierte sich auf Wirkungen durch Mobilfunk-Basisstationen, während die NTP-Studie die Wirkungen von körpernahen Geräten untersuchte.
  • Eine weitere Studie aus Örebro (Schweden) von L. Hardell und M. Carlberg, erstellt im Jahr 2013 und ergänzt im Jahr 2017, beweist den direkten Zusammenhang zwischen Mobiltelefonie und Hirnkrebs. Die Forscher haben der IARC bereits im Jahr 2013 empfohlen, hochfrequente Strahlung zur Gruppe 1 zu zählen.

Diese Studien vervollständigen die Beweislage und die WHO müsste nicht-thermische Wirkungen akzeptieren und damit die Gefährdungsstufe auf 2A oder 1 hoch stufen, wobei garantiert mit einem internationalen Echo zu rechnen wäre. Keine Regierung und kein Hersteller könnte mehr Schädigungen durch Mobilfunk in Abrede stellen.

Schweiz: BERENIS berichtet

Im November 2018 hat die beratende Expertengruppe nicht-ionisierende Strahlung BERENIS einen Bericht über die NTP-Studie und die Ramazzini-Studie verfasst und kommt zum Schluss:

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die BERENIS aufgrund der Ergebnisse und deren Bewertung das Vorsorgeprinzip zur Regulierung von HF-EMF unterstützt. Eine vollständige Risikobewertung unter Berücksichtigung aller verfügbaren Studien (Tierstudien und epidemiologische Studien) ist ausserdem notwendig, um abzuschätzen, ob die derzeitig gültigen Grenzwerte geändert werden sollten.

BERENIS, Nov. 2018

…wobei mit einer Grenzwertänderung natürlich eine Verschärfung gemeint ist. Ausserdem hebt BERENIS das gute Studiendesign insbesondere der NTP-Studie hervor:

Die wissenschaftliche Qualität und der Standard der Labortechniken sind insbesondere in der NTP-Studie hoch.

BERENIS, Nov. 2018

Dank dem Umstand, dass die Versuchstiere bei der NTP-Studie deutlich mehr Bewegungsraum hatten als bei anderen Studien, kann eine Tumorbildung aufgrund von Stressfaktoren ausgeschlossen werden.

Wer berät die WHO

Die Internationale Agentur für Krebsforschung IARC, eine Gruppe innerhalb der WHO, beurteilt die Einteilung der „Wirkstoffe“ in eine der fünf Gefahrengruppen (vgl. Tabelle oben). IARC wiederum wird von einer Nichtregierungsorganisation, International committee on non-ionizing radiation protection, kurz ICNIRP, beraten. Unverständlich, wie folgende Punkte aufzeigen:

  • auf der ICNIRP-Webseite wird noch heute (Jan. 2019) der Standpunkt vertreten, dass ausser einer Gewebe-Erwärmung „trotz langen Forschungen keine gesundheitsschädigenden Wirkungen gefunden werden konnten“. Link zur Website.
  • Die Richtlinien zu elektromagnetischen Feldern stammen aus dem Jahr 1998, gefolgt von einer Überarbeitung im Jahr 2009.

Es ist unklar, warum die WHO resp. deren EMF-Projekt sich so stark auf ICNIRP verlässt, zumal von den 14 Mitgliedern die meisten nicht aktiv in diesem Feld forschen (Quelle: Belpomme, vgl. Dokument am Ende des Artikels).

Wie weiter?

Nachdem die Wissenschaft klare Risiken resp. Gefährdungen im Zusammenhang mit Mobilfunk- und anderer Strahlung aufgezeigt hat, liegt es an den Behörden, schnellstmöglich entsprechende Schritte einzuleiten, um die Menschen vor Krebs und anderen Symtomen zu schützen.

In der Schweiz hat BEREINS im November 2018 klar Stellung zu den Studien bezogen und den Ball ans BAFU gereicht: „[…] dass die BERENIS […] das Vorsorgeprinzp unterstützt […]“ und somit implizit für ein Überdenken der NISV-Grenzwerte plädiert.

 

Quellen:
BERENIS Newsletter (Sonderausgabe Nov. 2018),
ScienceDirect Thermal and non-thermal health effects of low intensity non-ionizing radiation: An international perspective von Belpomme et al.,
Belpomme_Thermal-and-non-thermal-health-effects_2018,
Newsletter-BERENIS-Sonderausgabe-November-2018-DEUTSCH

gefunden am 30.01.2019 auf: https://schutz-vor-strahlung.ch/site/wieso-die-who-mobilfunkstrahlung-auf-krebsfoerdernd-hochstufen-muesste/?fbclid=IwAR0z70fPjQwwxMXr4VvYTsjIjp8uaWfnDKDWvjBzdVha8LcsvsfGdj2fdZc

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