Jede zusätzliche PV-Anlage treibt die Stromkosten in die Höhe

Energie ist nicht das Problem – sondern eine Politik, die nicht rechnet

Mit jeder zusätzlichen Photovoltaik-Anlage entstehen neue Kosten, die den Strompreis steigen lassen – nicht einmalig, sondern dauerhaft. Da Photovoltaik- und Windkraftanlagen aus bekannten Gründen keine kontinuierliche Energie liefern können, benötigen wir zwei parallele Energieproduktionssysteme.
Das verursacht zwangsläufig höhere Kosten, weil beide Systeme gleichzeitig betrieben werden müssen – selbst dann, wenn das Verteilnetz dasselbe bleibt oder entsprechend ausgebaut wird.
Wer behauptet, mehr PV bedeute automatisch günstigeren Strom, ignoriert diese Gesamtrechnung.


Zwei Stromsysteme – ein Nutzen, doppelte Kosten

Das bestehende Stromsystem muss weiterhin jederzeit funktionieren: in der Nacht, im Winter, bei Kälte und bei Schlechtwetter. Photovoltaik und Windkraft können das systembedingt nicht. Sie ersetzen keine einzige gesicherte Kilowattstunde.
Wasserkraft und Reservekraftwerke müssen vollständig erhalten bleiben und weiter finanziert werden. Photovoltaik kommt immer zusätzlich, nie anstelle. Importmöglichkeiten werden zudem sinken oder massiv teurer werden, da viele Länder denselben Ausbaupfad verfolgen und in kritischen Situationen gleichzeitig zu Importeuren werden. Eine solche Versorgung setzt stabile, günstige Nachbarn voraus – rechnet man ohne perfekte europäische Koordination, ohne jederzeit flexible Nachbarländer und ohne günstige saisonale Speicher, steigt sowohl das Preis- als auch das Versorgungsrisiko.
Das Ergebnis ist eindeutig: Investitionen in PV und Investitionen in andere Energieerzeugung führen zu doppelten Fixkosten. Doppelte Fixkosten bedeuten zwangsläufig steigende Strompreise. Das ist keine politische Bewertung, sondern eine technische und wirtschaftliche Konsequenz. Genau deshalb kann Photovoltaik keine Versorgungssicherheit herstellen.


Der Ausbau der PV-Anlagen verschärft das Kostenproblem

Bleibt der heutige Ausbaupfad bestehen, wird sich die PV-Stromproduktion in der Schweiz in den nächsten 10 bis 20 Jahren ungefähr verdoppeln. Das führt nicht zu mehr Sicherheit, sondern zu mehr Strom zur falschen Zeit, mehr Abregelung, mehr Netzausbau und höheren Fixkosten pro Kilowattstunde.
Die logische Folge ist klar: Der Strompreis steigt weiter. Eine Verdoppelung der Strompreise in den nächsten 10 bis 20 Jahren ist unter diesen Rahmenbedingungen realistisch.

Die Frage ist nicht, ob das passiert – sondern ob wir das wollen.


Speicher sind keine Lösung für das Gesamtsystem

Ein Mensch verbraucht im Durchschnitt rund 15 bis 20 Kilowattstunden Strom pro Tag. Um nur wenige Tage ohne nennenswerte Stromproduktion zu überbrücken, bräuchte es pro Person Speicherkapazitäten in der Grössenordnung von 50 bis 100 Kilowattstunden. Das entspricht mehreren grossen Batterieschränken. Anschaulich gesagt: rechnerisch einem kleinen Zimmer voller Batterien – pro Person.
Für Städte würde das bedeuten, ganze Stadtteile mit Batteriespeichern zu bebauen. Und selbst dann wären weder eine Winterversorgung noch eine längerfristige Versorgungssicherheit gewährleistet. Was im Einfamilienhaus punktuell funktionieren mag, skaliert nicht für Mehrfamilienhäuser, Gewerbe und Industrie. Speicher sind ein Hilfsmittel, aber kein Ausweg für das Gesamtsystem. Zudem erhöhen sie die Kosten weiter.


Wo sind die Politiker, die diese Rechnung machen?

An diesem Punkt drängt sich eine einfache Frage auf: Wo sind die Politiker, die diese Kostenrechnung ehrlich machen?
Es werden Anlagen gezählt, Programme aufgelegt und Ausbauziele verkündet. Was fehlt, ist die Systemrechnung: Was kostet das gesamte Stromsystem dauerhaft, über Jahrzehnte hinweg?
Kilowattstunden allein zu zählen reicht nicht. Ein Stromsystem muss Kosten, Verfügbarkeit und Redundanz berücksichtigen. Wer das nicht tut, plant kein Energiesystem – sondern produziert ein strukturelles Kostenproblem.


Unser Energiebedarf braucht verlässliche Technik

Der steigende Energiebedarf lässt sich weder mit Modellrechnungen noch mit Regelmechanismen oder politischen Zielvorgaben decken.
Er lässt sich nur mit verlässlicher, jederzeit verfügbarer Energieerzeugung sichern: Wasserkraft, Pumpspeicher, schnell zuschaltbare Gaskraftwerke und – ohne Denkverbote – Kernenergie.
Ohne diese Basis steuern wir in ein Versorgungsproblem, das sich später nicht mehr korrigieren lässt.
Energieversorgung ist wie eine Feuerwehr: Man baut sie auf und hält sie einsatzbereit, bevor es brennt – nicht erst währenddessen.


Die zwingende Konsequenz

Wenn wir in 10 bis 20 Jahren noch bezahlbaren und sicheren Strom wollen, müssen wir jetzt umsteuern. Subventionen und Ausbaupflichten für Photovoltaik gehören beendet, falsche Anreize korrigiert und Investitionen gezielt in echte Versorgungssicherheit gelenkt.
Photovoltaik kann ergänzen, aber sie kann kein Land versorgen.


Merksatz

Jede zusätzliche PV-Anlage treibt die Stromkosten in die Höhe –
nicht aus Ideologie, sondern aus Rechenlogik.


 

Einordnung

Dieser Artikel knüpft an den bereits veröffentlichten Beitrag „Photovoltaik, Windenergie und Versorgungssicherheit – eine unbequeme Rechnung“ an:
https://urs-raschle.ch/photovoltaik-windenergie-versorgungssicherheit/

Beide Texte kommen aus unterschiedlicher Perspektive zur gleichen Schlussfolgerung:
Nicht die produzierte Energiemenge ist entscheidend, sondern Verfügbarkeit, Systemkosten und Versorgungssicherheit über das ganze Jahr hinweg.


 

 

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