Photovoltaik- und Batteriespeicher-Recycling: Problem gelöst – oder nur gut organisiert?

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Photovoltaik Recyclingproblem

Was die Schweiz mit ausgedienten PV-Modulen und Batteriespeichern macht – und was kaum transparent ausgewiesen wird

Die Energiewende hat ein Entsorgungsproblem. Dieser Artikel behandelt eines davon: ausgediente Photovoltaikmodule und ihre Batteriespeicher. Das nächste – Windkraftanlagen und ihre Rotorblätter aus Faserverbundstoffen – ist noch schwieriger.


Die Solarbranche kommuniziert Aufbruch. Ende 2024 waren in der Schweiz 8,2 Gigawatt Photovoltaikleistung installiert – mehr als je zuvor. 1’800 Megawatt kamen allein im letzten Jahr neu dazu, das siebte Wachstumsjahr in Folge. Solarstrom deckte 2024 über 10 Prozent des schweizerischen Strombedarfs, und der Bundesrat sieht vor, diese Menge in den nächsten fünf Jahren nochmals mehr als zu verdoppeln (Swissolar / BFE, Statistik Sonnenenergie 2024).

Was in diesen Zahlen nicht vorkommt: Jedes dieser Module hat ein Lebensende. Und was dann passiert, ist weit weniger geregelt, als die Branche kommuniziert.


650’000 Tonnen Material – und kein Plan

Ein durchschnittliches Solarmodul wiegt rund 20 Kilogramm und ist für eine Lebensdauer von über 25 Jahren ausgelegt. Rechnet man den heutigen Schweizer Bestand grob um, ergibt das eine überschlägige Materialmenge von rund 650’000 Tonnen – als Grössenordnung zu verstehen, nicht als exakte Zahl, da Modulgewicht und installierte Leistung je nach Anlage variieren.

Swissolar erwartet bis 2035 einen Gesamtbestand von rund 32 Gigawatt. Swiss PV Circle – ein Forschungsprojekt von SENS eRecycling, Swissolar und der Berner Fachhochschule – schätzt den Modulrücklauf in der Schweiz bis 2050 auf 23’000 bis 90’000 Tonnen (swissrecycle.ch, Juli 2025). Im Jahr 2024 wurden laut SENS-Ökobilanz rund 1’200 Tonnen gesammelt, doppelt so viel wie im Vorjahr. Im Verhältnis zu dem, was kommt, ist das ein Bruchteil.


Das System – und was es nicht ist

Die Entsorgung ist seit 2013 über SENS eRecycling und Swissolar geregelt, auf Basis der VREG (SR 814.334). Finanzierung über vorgezogenen Recyclingbeitrag beim Kauf. Private können bis zu 10 Module kostenlos abgeben. Grössere Mengen werden abgeholt.

Das klingt nach einem geschlossenen System. Es ist keines – zumindest nicht in dem Sinne, den «Kreislaufwirtschaft» impliziert.


Was wirklich passiert: Sammeln, abgeben, weiterleiten

Kristalline Solarmodule machen gemäss SENS rund 99 Prozent aller gesammelten PV-Altmodule aus. Sie werden zur Verwertung nach Deutschland transportiert, zu Reiling in Marienfeld (Westfalen) – dem einzigen von SENS genannten Verarbeitungsweg für diesen Modultyp (erecycling.ch / naturschutz.ch, August 2023).

Die Schweiz betreibt kein eigenes PV-Recyclingwerk. Begründung von SENS: Die Mengen seien «noch zu gering». Für die Öffentlichkeit endet die Nachvollziehbarkeit der Verwertungskette damit weitgehend an der Übergabe ins Ausland. Detaillierte Fraktionsdaten – aufgeschlüsselt nach Materialart und Qualität für den Schweizer Anteil – sind weder bei SENS noch bei Reiling öffentlich auffindbar.


Was «Recycling» im Klartext bedeutet – und wo die Grenzen sind

SENS beschreibt den Prozess auf ihrer Website: Glas und Silizium-Wafer werden für Flachglas oder Glaswolle verwendet. Die Verbund- und Rückseitenfolie wird verbrannt. Die Metalle gehen an Schmelzwerke in Europa. Zur Siliziumrückgewinnung hält SENS ausdrücklich fest:

«Die grösste Herausforderung momentan ist, das Silizium abzutrennen. Dieses landet zurzeit noch in der Glas- und in der Kunststofffraktion.» (erecycling.ch/wissenswertes/wissensblog/fach-94.html)

Reiling meldete Anfang 2025 zwei Fortschritte: Die Glasqualität wurde so weit gesteigert, dass das Rezyklat neu für hochwertige Glasschmelzen eingesetzt werden kann. Und Silizium wird neu im industriellen Massstab zurückgewonnen, in Kooperation mit dem Fraunhofer-Center für Silizium-Photovoltaik (photovoltaik.eu, Februar 2025). Das sind echte Fortschritte – jung und noch nicht in grossem Massstab etabliert.

Gleichzeitig: Die Verbundfolien – rund 10 Prozent des Modulgewichts – werden weiterhin verbrannt. Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt hält im Rahmen eines laufenden Förderprojekts zur Verbesserung dieser Situation fest:

«Eine rein wirtschaftliche Lösung zum Recycling von Solarmodulen existiert bisher nicht. Insbesondere das energie- und ressourcenintensiv hergestellte Silizium und das Edelmetall Silber der Solarzellen werden nicht zurückgewonnen.» (dbu.de/projektdatenbank/37555-01/)

Das System funktioniert, weil es durch den vorgezogenen Beitrag quersubventioniert wird.


Die Prozentzahl, die täuscht

«Über 75 Prozent recycelbar» – die Zahl stimmt nach Gewicht, weil Glas und Aluminium zusammen rund 85 Prozent des Modulgewichts ausmachen. Wer diese Massenfraktionen verwertet, erreicht hohe Quoten, unabhängig davon, was mit den technologisch wertvollen Anteilen passiert.

FraktionAnteilStand der Verwertung
Glasca. 75 %Zunehmend für hochwertige Glasschmelzen (Reiling 2025)
Aluminiumca. 8–10 %Metallrecycling
Kunststoffe / EVA / Folienca. 10 %Verbrennung – keine stoffliche Rückgewinnung
Siliziumca. 5 %Im Aufbau (Reiling/Fraunhofer); laut SENS «noch» in Glasfraktion
Kupferca. 1 %Metallrecycling
Silber< 0,1 %Wirtschaftlich kaum rückgewinnbar; laufende Forschung
Blei / CadmiumSpurenKontrollierte Entsorgung nötig

Das Silber im Modul hat bei rund 3 Gramm und einem Silberpreis von rund 900 Franken pro Kilogramm einen theoretischen Wert von etwa 2,70 Franken. Wirtschaftlich interessant – wenn die Trennung nicht so aufwändig wäre. Fachmedien halten fest: «Die Kleinstmengen an Silber und anderen Rohstoffen zu extrahieren, ist wirtschaftlich kaum möglich. Das liegt auch daran, dass Primärrohstoffe nach wie vor preiswert sind.» (energiezukunft.eu, November 2022)

Die Verbundfolien – 10 Prozent Modulgewicht, konsequent verbrannt – markieren genau die Grenze, wo «Recycling» aufhört und «Entsorgung» beginnt.


Das verschwiegene Problem: Rund die Hälfte der Module ist noch nutzbar

Swiss PV Circle veröffentlichte im Juli 2025 seinen Abschlussbericht. Der zentrale Befund:

«Rund die Hälfte der Module, die heute im Abfallstrom landen, wären grundsätzlich noch funktionsfähig.»
(swissrecycle.ch / pv-circle.ch, Juli 2025)

Das ist kein Randphänomen. Module landen im Entsorgungsstrom aus Gründen, die nichts mit dem Modul selbst zu tun haben: Dachsanierungen, defekte Wechselrichter ohne Modulschaden, Repowering mit leistungsfähigeren Neumodulen, Hagelschäden an anderen Teilen der Anlage, veränderte Förderbedingungen, Brandschutzvorschriften. Das Modul selbst ist oft intakt.

Die ökologisch sinnvollere Reihenfolge wäre: zuerst Wiederverwendung prüfen, dann erst Recycling. In der Schweiz ist diese Reihenfolge strukturell nicht verankert. Swiss PV Circle schlägt einen «ReUse-Bonus» analog zum Recyclingbeitrag vor. Was bis heute existiert: kein standardisierter Prüfprozess, keine Zertifizierung, keine Haftungsregelung, kein funktionierender Markt. Das Projekt ist abgeschlossen. Umgesetzt ist nichts.


Die Sammelmengen stagnieren – während die Prognosen steigen

PV CYCLE, das europäische Rücknahmekonsortium, verarbeitete 2024 europaweit 17’416 Tonnen – rund 20 Prozent mehr als 2023 (PV CYCLE Annual Report 2024). Ein Fachkommentar hält aber fest: Die Rücknahmemengen pendeln seit 2021 zwischen 14’000 und 17’000 Tonnen und stagnieren, anstatt zu wachsen (elektrogesetz.de, Juli 2025).

Bis Ende 2022 waren in Europa 210 Gigawatt PV installiert. Die über PV CYCLE erfasste Gesamtmenge wird im Verhältnis dazu auf rund 0,6 Prozent beziffert (euwid-recycling.de, August 2023). Diese Zahl beschreibt nicht die gesamte europäische Entsorgung – es gibt andere Entsorgungswege. Sie zeigt aber die Grössenordnung der über das Hauptsystem erfassten Rückläufe.

IRENA und IEA-PVPS prognostizieren bis 2050 weltweit bis zu 78 Millionen Tonnen PV-Abfall (IRENA/IEA-PVPS, 2016). Für Deutschland allein werden bis 2030 zwischen 400’000 und einer Million Tonnen erwartet, bis 2050 bis zu 4,3 Millionen Tonnen. Für die Schweiz: 1’200 Tonnen heute, bis zu 90’000 Tonnen bis 2050. Das System wurde nie unter realer Last getestet.


Was die EU regelt – und was sie nicht garantiert

PV-Module fallen unter die WEEE-Richtlinie (2012/19/EU). Seit 2018 gelten Zielwerte von 85 Prozent Verwertung und 80 Prozent Vorbereitung zur Wiederverwendung oder zum Recycling – bezogen auf tatsächlich behandelte Altmodule, nicht auf alle installierten.

Was nicht gesammelt wird, taucht in der Statistik nicht auf. Die allgemeine WEEE-Sammelquote der EU lag 2023 bei 37,5 Prozent. Nur drei EU-Länder erreichten die 65-Prozent-Zielvorgabe (Eurostat, WEEE-Statistik 2023). Gesetzliche Pflichten und gelebte Praxis können weit auseinanderliegen.

Ein primär auf Recycling ausgerichtetes Rücknahmesystem setzt nicht automatisch starke Anreize für Wiederverwendung. Wer noch funktionstüchtige Module wiederverwenden möchte, erhält im bestehenden System keinen finanziellen Vorteil.


Der zweite blinde Fleck: Batteriespeicher

Photovoltaikmodule sind nicht die einzige Materialfrage der Solaranlage. Mittlerweile wird laut Swissolar rund jede zweite neue PV-Anlage in der Schweiz mit einem Batteriespeicher kombiniert (Swissolar, Batteriespeicher-Bericht 2025, basierend auf Mitgliederbefragung Dezember 2024). Damit entsteht neben dem künftigen Modulabfall ein zweiter Rücklaufstrom – und er kommt früher.

Während PV-Module auf über 25 Jahre ausgelegt sind, werden Batteriespeicher häufig nach 10 bis 20 Jahren ersetzt – je nach Zellchemie, Nutzungsintensität, Temperaturführung und Anzahl der Ladezyklen. Die elektrochemische Alterung der Lithiumzellen ist dabei unausweichlich: Bei jedem Lade- und Entladezyklus sinkt die Speicherkapazität schrittweise. Die Akkus kommen damit deutlich vor den Solarpanelen ans Lebensende.

Auch hier gilt: Die Rücknahme ist geregelt. In der Schweiz besteht gemäss ChemRRV (SR 814.81, Anhang 2.15) eine Rückgabepflicht für Konsumentinnen und Konsumenten sowie eine Rücknahmepflicht für Anbieter. Stationäre Heimspeicher gelten als Industriebatterien und müssen separat gesammelt und der Verwertung zugeführt werden. Die Finanzierung läuft über eine vorgezogene Entsorgungsgebühr (VEG). Das BAFU bestätigt die Pflicht zur separaten Sammlung und Verwertung von Fahrzeug- und Industriebatterien.

Und wieder gilt: Rücknahme ist nicht dasselbe wie Kreislaufwirtschaft.

Lithium-Ionen-Batterien enthalten je nach Zellchemie unterschiedliche Rohstoffprofile: Lithium, Nickel, Kobalt, Mangan, Kupfer, Aluminium, Graphit und Elektrolyte. Bei Heimspeichern kommen zunehmend Lithium-Eisenphosphat-Zellen zum Einsatz – ohne Kobalt und Nickel, aber mit Lithium, Elektrolyt, Kupfer, Aluminium und weiteren technischen Komponenten. Die Materialfrage verschwindet dadurch nicht, sie verschiebt sich nur.

Das eigentliche Recyclingproblem liegt in der sogenannten Schwarzmasse – dem Pulvergemisch, das nach dem Schreddern der Batteriezellen entsteht. Es enthält die wertvollen Aktivmaterialien, aber in einer Form, die aufwändige hydrometallurgische oder pyrometallurgische Prozesse erfordert, um daraus wieder brauchbare Rohstoffe zu gewinnen. Lithium ist dabei besonders schwierig: Es macht nur rund ein Gewichtsprozent der Batterie aus. Ältere Einschmelzverfahren erreichten Rückgewinnungsraten von 30 bis 40 Prozent – Lithium landete dabei oft als Schlacke oder wurde in der Betonindustrie verwendet (energieschweiz.ch).

Die EU hat reagiert. Die Batterieverordnung (EU) 2023/1542 schreibt verbindliche Rückgewinnungsquoten vor: bis Ende 2027 mindestens 50 Prozent des Lithiums, bis Ende 2031 mindestens 80 Prozent. Für Kobalt, Nickel, Kupfer und Blei gelten noch höhere Zielwerte. Dass solche Quoten erst jetzt eingeführt werden, zeigt: Eine vollständige Rückgewinnung ist heute nicht selbstverständlich.

Ein zusätzliches Risiko, das in der öffentlichen Diskussion kaum vorkommt: Das BAFU weist darauf hin, dass falsch entsorgte Lithium-Ionen-Akkus Brände in Kehrichtsammelfahrzeugen, Recyclinganlagen und Sammelstellen verursachen können. Batterien gehören nicht in den normalen Abfallstrom – auch wenn Fehlwürfe weiterhin vorkommen.

In der Schweiz ist mit Librec in Biberist seit 2024 ein industrieller Anbieter für Lithium-Ionen-Batterierecycling entstanden. Nach eigenen Unternehmensangaben liegt die Rückgewinnungsrate bei über 97 Prozent bei einer Kapazität von rund 9’000 Tonnen pro Jahr. Das ist eine Herstellerangabe und ein relevanter Fortschritt – aber noch keine Aussage darüber, wie vollständig und flächendeckend der künftige Rücklauf von Heimspeichern tatsächlich erfasst wird.

In Europa wachsen die Recyclingkapazitäten stark. Das Fraunhofer ISI hält jedoch fest, dass viele der kommunizierten Kapazitäten angekündigte Maximalwerte sind, keine bestätigte reale Auslastung (Fraunhofer ISI, 2024). In der EU wurden 2024 rund 30’000 Tonnen Lithium-Ionen-Batterien recycelt. Die verfügbare Schwarzmasse könnte sich laut Brancheneinschätzungen von rund 100’000 Tonnen im Jahr 2025 auf rund 300’000 Tonnen bis 2030 verdreifachen.

Damit zeigt sich beim Batteriespeicher dasselbe Grundmuster wie beim Solarmodul: Das Rücknahmesystem ist vorhanden. Die Recyclingtechnologie entwickelt sich. Aber die grossen Mengen stehen erst bevor, die öffentliche Nachvollziehbarkeit bleibt begrenzt. Wer heute eine Solaranlage mit Speicher als sauberes Gesamtsystem beschreibt, schuldet eine Antwort auf die Frage: Was passiert mit dem Akku nach 10 bis 15 Jahren – und wer stellt sicher, dass die kritischen Rohstoffe tatsächlich hochwertig zurückgewonnen werden?


Was es bräuchte – und was fehlt

Die Technologie entwickelt sich: Reiling 2025 bei Glas und Silizium, ROSI in Frankreich bei der Silber- und Siliziumrückgewinnung, REC Silicon im Mai 2025 mit Solarsilizium aus Altmodulen, Librec in Biberist beim Batterierecycling. Das sind reale Entwicklungen.

Was trotzdem fehlt: wirtschaftliche Anreize für die Wiederverwendung noch nutzbarer Module; öffentliche Transparenz über den Materialverbleib nach der Übergabe; ein standardisierter Prüfprozess für Gebrauchtmodule; und eine belastbare Kapazitätsplanung für die stark steigenden Rücklaufmengen beider Rücklaufströme in den nächsten Jahrzehnten.


Fazit

In der Schweiz ist die Rücknahme von PV-Modulen und Batteriespeichern organisiert und finanziert. Die Materialfrage ist damit aber nicht gelöst.

Bei den Modulen endet die öffentliche Nachvollziehbarkeit weitgehend an der Übergabe ins Ausland. Verbundfolien werden verbrannt. Rund die Hälfte der entsorgten Module wäre grundsätzlich noch nutzbar. Für strukturierte Wiederverwendung gibt es keinen breit etablierten Markt.

Beim Batteriespeicher kommen neue Rücklaufströme mit eigenen Risiken hinzu: Lithium-Ionen-Akkus müssen separat gesammelt werden, können bei falscher Entsorgung Brände auslösen und enthalten Rohstoffe, deren hochwertige Rückgewinnung technisch möglich, aber noch nicht selbstverständlich ist. Die EU verschärft deshalb gerade die Quoten – was zeigt, dass der Kreislauf nicht fertig gebaut, sondern erst im Aufbau ist.

Es gibt Fortschritte – real und belegbar. Aber Fortschritt bei einzelnen Verfahren ist nicht dasselbe wie ein flächendeckend funktionierender, transparenter und ökologisch vollständiger Kreislauf. Solange diese Lücken bestehen, bleibt «wir haben ein Recyclingsystem» das, was es ist: eine unvollständige Antwort auf eine vollständige Frage.


Ausblick: Ein noch schwierigeres Problem wartet

Die Energiewende produziert nicht nur sauberen Strom – sie produziert auch Industrieabfall, für den die wenigsten eine Antwort haben. Bei Photovoltaikmodulen ist diese Antwort zumindest in Ansätzen vorhanden. Bei Windkraftanlagen ist die Entsorgungsfrage nochmals schwieriger – insbesondere bei Rotorblättern aus Faserverbundstoffen.

Die Rotorblätter bestehen zu über 85 Gewichtsprozent aus glas- und kohlefaserverstärkten Duroplasten. Eine flächendeckende hochwertige stoffliche Lösung existiert bisher nicht. Der aktuelle Stand der Technik ist die thermische Verwertung oder die mechanische Aufbereitung als Zementzuschlag. Pyrolyseverfahren, mit denen Fasern und Harze zurückgewonnen werden könnten, werden von mehreren Fraunhofer-Instituten erforscht – sie haben sich bisher beim Recycling von Rotorblättern aber nicht im industriellen Massstab durchgesetzt, unter anderem wegen des hohen Energieaufwands und der Wirtschaftlichkeit besonders bei glasfaserverstärkten Kunststoffen (Fraunhofer WKI / IFAM, 2023–2024).

In Deutschland wurden 2024 laut Bundesverband WindEnergie rund 550 Anlagen zurückgebaut. Bis 2035 werden tausende Windenergieanlagen europaweit das Ende ihrer technischen Lebensdauer erreichen. Laut Fraunhofer WKI können dabei pro Jahr bis zu 75’000 Tonnen Abfälle allein aus Rotorblättern anfallen.

-> Das ist ein eigenes Thema – und ein noch grösseres.


Quellen


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