Zusammenfassung

Im Vortrag wurde Photovoltaik als elektrisches Gebäudesystem betrachtet, das nicht nur nach Ertrag und Eigenverbrauch, sondern auch nach elektromagnetischer Verträglichkeit und elektrobiologischer Wirkung beurteilt werden muss.
Es wurde erläutert, dass PV-Anlagen über Module, DC-Leitungen, Wechselrichter, Kommunikationstechnik, Batteriespeicher, Netzanschluss sowie Erdung und Potenzialausgleich elektrische, magnetische und hochfrequente Einwirkungen im Gebäude verursachen können.

  • Kernaussage: Eine PV-Anlage ist nicht automatisch emissionsarm; entscheidend sind Planung, Leitungsführung, Standort der Komponenten und die Einbindung in die Gebäudeinstallation.
  • Wesentliche Einflussfaktoren:
    • PV-Module und Dachaufbau als großflächige kapazitive Kopplung
    • DC-String- und Steigleitungen als relevante Feld- und Störquellen
    • Wechselrichter als zentrale Quelle von Schaltstörungen und Supraharmonischen
    • Batteriespeicher als zusätzliche, auch nachts aktive Leistungselektronik
    • Kommunikationstechnik wie WLAN, Mobilfunk oder Ethernet als weitere Störquelle
    • Erdung, Schutzleiter und Potenzialausgleich als sicherheitsrelevant und zugleich EMV-relevant

Besonders hervorgehoben wurde, dass Schlaf- und Ruheräume, Kinderzimmer sowie andere empfindliche Nutzungszonen möglichst nicht in unmittelbarer Nähe zu Technikzonen, Wechselrichtern, Speicheranlagen oder ungünstig geführten Leitungen liegen sollten. Für die Planung wurde empfohlen, Gebäude konsequent in Nutzungszonen zu denken und Technikbereiche klar von sensiblen Bereichen zu trennen.

Als technische Maßnahmen zur Reduktion von Emissionen wurden genannt:

  • möglichst kurze, eng geführte und verdrillte DC-Leitungen
  • Vermeidung großer Schleifenflächen
  • definierte, leitfähige und geerdete Schirmflächen unter den Modulen
  • geeignete Standortwahl für Wechselrichter und Speicher
  • möglichst kabelgebundene Kommunikation statt Funk
  • fachgerecht geplante Erdung und Potenzialausgleich
  • Netzfilter bei Bedarf, abgestimmt auf die tatsächliche Störsituation
  • Messungen vor und nach der Installation, auch im Nachtbetrieb bei Speichersystemen

Es wurde betont, dass viele Probleme bereits in der frühen Planung vermieden werden können und spätere Nachrüstungen deutlich aufwändiger sind. Leistungsoptimierer wurden nur als sinnvoll beschrieben, wenn sie technisch wirklich nötig sind, da sie zusätzliche Elektronik und potenzielle HF-Störungen auf das Dach bringen können.

Abschließend wurde festgehalten, dass emissionsarme Photovoltaik nicht gegen PV gerichtet ist, sondern für eine fachgerechte, verträgliche und kontrollierbare Ausführung steht. Der Vortrag endete mit dem Hinweis auf weiterführende Kurse und Seminare sowie der Einladung zu Fragen und Diskussion.


Photovoltaik und Elektrosmog – die Feld-Fakten in Kürze

Module über dem Kopf – grossflächige leitfähige Flächen auf dem Dach. Zwischen Modulen, Dachaufbau, Gebäude und Erde entstehen kapazitive Kopplungen.

DC-Leitungen durchs Gebäude – sie führen Gleichstrom, aber auch überlagerte Störanteile. Je nach Leitungsführung gelangen diese in Dach, Wände, Schächte und Innenräume.

Trafolose Wechselrichter – DC- und AC-Seite sind nicht galvanisch getrennt. Gleichtaktspannungen und Ableitströme können sich über Module, Leitungen, Schutzleiter, Erdung und Hausnetz verteilen.

Getaktete Leistungselektronik – Wechselrichter, Optimierer und Speicher erzeugen elektrische und magnetische Wechselfelder sowie Störanteile im kHz-Bereich und darüber.

Hausnetz als Verteilstruktur – Störanteile bleiben nicht beim Wechselrichter. Sie gelangen über Leitungen, Steckdosen, Schutzleiter und Potentialausgleich in das Gebäude.

Erdung und Schutzleiter – sicherheitstechnisch notwendig, aber auch Ausbreitungswege für Ableit- und Ausgleichsströme.

Funk und Kommunikation – WLAN, Mobilfunk, Powerline oder Optimierer-Kommunikation bringen zusätzliche hochfrequente Signale ins System.

Schlaf- und Aufenthaltsbereiche – besonders kritisch, wenn Module, DC-Leitungen, Steigzonen, Wechselrichter, Speicher oder Hauptverteilung nahe bei diesen Bereichen liegen.

Normkonform heisst nicht feldarm – ein Gerät kann die EMV-Anforderungen erfüllen, und trotzdem kann die Gesamtanlage im Gebäude erhöhte Feld- und Störanteile verursachen.

Fazit: Eine PV-Anlage erzeugt zusätzliche elektrische, magnetische und hochfrequente Feldanteile im Gebäude. Wenn Photovoltaik, dann emissionsarm geplant, sauber installiert und messtechnisch kontrolliert.