Zusammenfassung
Im Online-Treffen der FaGeWo hielt Urs einen Fachvortrag zum Thema „Elektrosmog messen – Hilfe für ein strahlenarmes Zuhause“ mit Fokus auf den Schlafbereich als wichtigstem Regenerationsort. Er strukturierte das Vorgehen konsequent in Felder verstehen → messen → bewerten → reduzieren und wies darauf hin, dass Maßnahmen ohne vorgängige Messung oft zu Fehleinschätzungen führen.
- Feldarten und Einordnung: Unterschieden wurden statische Felder (Elektrostatik, Magnetostatik), niederfrequente Wechselfelder (E-/B-Feld, typischerweise aus der Elektroinstallation) sowie hochfrequente Felder (Funk/Strahlung wie Mobilfunk, WLAN, DECT, Bluetooth). Betrachtet wird der nichtionisierende Bereich.
- Messrealität: Es gibt keine „All-in-one“-Messlösung; zur vollständigen Betrachtung sind mehrere Messbereiche nötig (praktisch mindestens: Magnetostatik, Niederfrequenz E/B, Hochfrequenz; Elektrostatik ist messtechnisch in einfachen Preisklassen schwieriger). Urs unterschied Detektionsgeräte, semiprofessionelle und Profi-Messgeräte und empfahl für Selbstchecks praxistaugliche Detektionsgeräte, jedoch mit klaren methodischen Grenzen.
- Messmethodik (wichtig für korrekte Ergebnisse):
- Viele Geräte messen nur eindimensional; daher ist die Ausrichtung (Sensorlage) entscheidend.
- Bei Hochfrequenz: Messgerät schwenken (Einfallrichtungen variieren), ideal mit Peak-Hold. Nicht im Nahfeld messen; als Faustregel ≥ 1 m Abstand zu Sendern/Quellen (z. B. Router, Handy).
- Bei Niederfrequenz: Werte können schwanken (v. a. Magnetfeld), daher beobachten und Maximalwerte dokumentieren.
- Bewertung: Als Raster empfahl Urs den Standard der baubiologischen Messtechnik (SBM) (ähnlich EUROPAEM) und ergänzte zur Einordnung zusätzlich gesetzliche Grenzwerte (mit dem Hinweis, dass einfache Detektionsgeräte Grenzwertfragen nur begrenzt abbilden). Für die Ergebnisdarstellung empfahl er, im Bettbereich mehrere Punkte zu messen (z. B. Laken, Kissen, Decke, Boden) und den höchsten Wert je Feld für die Bewertung zu verwenden.
- Typische Ursachen im Gebäudeumfeld:
- Elektrostatik: v. a. synthetische Bettwaren, Decken, Bodenbeläge.
- Magnetostatik (Erdmagnetfeld-Verzerrung): Metall im Bett (Federkern/Boxspring, Metallrahmen), Stahl/Armierung in Beton.
- Niederfrequenz: primär Elektroinstallation, fehlende/ungünstige Erdungskonzepte, Verbraucherströme/Kriechströme; Magnetfelder auch durch externe Quellen (Bahn, Hochspannungsleitungen, Trassen).
- Hochfrequenz: Funkanwendungen (Mobilfunk, WLAN, DECT, Smart-Home, DAB etc.), besonders auch eigene Geräte im Haushalt.
- Reduktionsstrategie (Priorität): Abschalten → Abstand → Abschirmung (erst wenn nötig).
- Konkrete Empfehlung: nachts Stromkreise testweise abschalten (Sicherungen raus), danach gezielt wieder zuschalten, um relevante Stromkreise zu identifizieren; ggf. technische Lösungen zur komfortablen Nachtabschaltung.
- Funkquellen: eigene Geräte konsequent deaktivieren/verkabeln, bevor externe Quellen adressiert werden.
- Abschirmung bei externen HF-Quellen: Abschirmfarbe oder Baldachin als praktikable Lösungen; dabei betonte Urs die fachgerechte Erdung (nicht über Heizkörper/Steckdosen-„Behelfslösungen“, sondern technisch sauber bis zur Verteilung/geeignetem Erdungspunkt).
- Bett/Einrichtung: möglichst Holzbett ohne Metallverstärkungen, keine Federkern-/Boxspring-Konstruktionen; Metallverstrebungen ggf. baulich ersetzen.
- Kontrolle und Zielbild: Nach Umsetzung der Maßnahmen ist eine Kontrollmessung erforderlich; Ziel ist, die relevanten Felder möglichst in den „grünen“ Bereich zu bringen (mit realistischen Grenzen bei externen Magnetfeldern und teils bei Hochfrequenz).
- Hinweis zur Weiterbildung: Urs verwies auf eine mehrtägige Ausbildung im Bereich Elektrobiologie (insb. für Fachpersonen/Elektriker mit vertieftem Interesse).